Im Netz lesen Abmelden
22 September 2023
ecommerce newsletter 09/2023

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

alle Wege führen in die Cloud - so dachte man zumindest in den letzten Jahren. Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google, aber auch zum Beispiel SAP, waren sehr erfolgreich darin, Unternehmen als Kunden für Ihre Cloud-Produkte zu gewinnen. Die (vermeintlichen?) Vorteile für die Unternehmen lagen auf der Hand:

  • Einsparung von direkten Hardware-Investitionen in eine eigene Server-Infrastruktur
  • Hohe Skalierbarkeit: bei hoher Nachfrage werden weitere Rechnerkapazitäten aus der jeweiligen Cloud eingebunden und können so Lastspitzen einfach abdecken - überlastete Server werden so vermieden. Die Gebühren werden dabei anhand der in Anspruch genommenen Kapazitäten berechnet - somit müssen keine Überkapazitäten bezahlt oder vorgehalten werden.
  • Automatisierte Updates und Backups durch die Cloud-Anbieter verringern den Administrations-Aufwand in den Firmen und erhöhen gleichzeitig die Sicherheit
  • Flexible Bereitstellung (z.B. über Web-Adminstrationsoberflächen) und hohe Verfügbarkeit dank geringer Ausfallzeiten
  • Der technische Support durch die Cloud-Anbieter verspricht Personaleinsparungen im eigenen IT-Team

Alles in allem versprach die Migration in die Cloud hohe Kostenersparnisse und wurde dementsprechend stark genutzt. Doch in letzter Zeit scheint ein Umdenken einzusetzen.

David Heinemeier Hansson, CEO bei 37signals, der Betreiberfirma von Basecamp und dem E-Mail-Service hey.com und seines Zeichens Erfinder des überaus erfolgreichen Web-Frameworks Ruby on Rails hat mit seinem Artikel “Why we are leaving the cloud” im Oktober 2022 für seine Firmen den Abschied von der Cloud angekündigt. Nun fast ein Jahr später, rechnet er vor, dass der Cloud-Exit bereits 1 Million Dollar Einsparungen für sein Unternehmen gebracht hat.

Die Deutschsprachige SAP Anwendergruppe e.V. (DSAG) kritisierte SAP heftig dafür, dass Innovationen zukünftig nur noch für die Cloud-Produkte des deutschen Anbieters verfügbar sein sollen heise.de - die On-Premise-Produkte sollen hier außen vor bleiben.

Microsoft hat im April 2023 die Preise für seine Cloud-Produkte um 11 Prozent erhöht, ein “Weckruf für Unternehmen” - zdnet.de wie zdnet.de kommentiert. Daneben machte Microsoft jüngst durch gestohlene Cloudschlüssel (heise.de) und damit einhergenden Sicherheitsrisiken sowie ein Datenleck in seinem KI-Team (heise.de) wenig Werbung in eigener Cloud-Sache.

Nebulös ist auch weiterhin die Rechtslage, bezüglich des Datenschutzes bei Anbietern aus den USA. Ob das neue “EU-U.S. Data Privacy Framework” Rechtssicherheit im Bereich Datenschutzes schaffen kann, ist sehr umstritten. Die NGO noyb um den österreichischen Aktivisten Max Schrems, hat bereits rechtliche Schritte angekündigt.

Alles in allem hat der vielversprechende Ansatz des Cloud-Computing durch steigende Preise, Knebelung von Anbietern und Fragezeichen bei Sicherheit und Datenschutz offensichtlich an Attraktivität eingebüßt. Das Pendel scheint wieder mehr in die Richtung von On-Premise- und Self-Hosting-Lösungen umzuschlagen, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Wie immer bleibt die Entwicklung spannend.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Start in das neue Schul- und Ausbildungsjahr!

Profile Image Herzliche Grüße,
Ihr Martin Kolb
Lehren von zuhause

Bild: Martin Kolb

Materialien für den Unterricht
  • Hello SPS! Unter diesem Motto bietet heise.de eine kurze Einführung in die Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) - der Grundlage von sehr vielen Industrie-Automatisierungslösungen - an.
  • Kostenloses Lernmaterial im Überfluss bietet die Seite freelearninglist.org - die Seite selbst ist in englischer Sprache, die verlinkten Seiten sind aber auch häufig in deutscher Sprache verfügbar.
  • Nachdem ich in der letzten Ausgabe noch von Voice-Deep-Fakes berichtet habe, kann man jetzt eigene Videos in andere Sprachen übersetzen und das mit einem Voice-Clone, der eigenen Stimme! Zusätzlich werden auch die Bewegungen der Lippen über KI an die jeweilige Übersetzung angepasst. Das bietet die Seite heygen.com an - klingt spannend sich selbst auf Spanisch zuzuhören… Wohin solche Technik führen kann, bekam ZDF-Moderator Christian Sievers zu spüren, der in einem Deep-Fake-Video von einem dubiosen Anbieter von Finanzprodukten als unfreiwillige Werbefigur benutzt wurde (br.de).
Titelbild Screenshot Jamando
Blick ins Netz
  • Handyverbot an Schulen? Falls Sie jetzt denken, Sie wären in ein Zeitloch gefallen, nein - Handyverbot an Schulen ist wieder angesagt. So fordert Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien von der CDU zeit.de ein privates Nutzungsverbot während des Unterrichts. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die Aufmerksamkeit durch Smartphone-Nutzung deutlich nachlässt [heise.de].
    In Frankreich sind seit letztem September Handys an Schulen verboten - mit äußerst positiven Erfahrungen, wie zeit.de berichtet.
    Die Niederlande haben die Verbannung von Handys für 2024 geplant rnd.de und auch die UNESCO hat sich dem handyfreien Unterricht verschrieben [heise.de und Studie auf unesco.org)]
    CNBC wiederum hat in den USA den Trend zum Dumb-Phone also dem Gegenteil von Smartphone ausgemacht - die Generation Z kauft dort massenweise alte Nokia-Geräte aus Sorge um die eigene geistige Gesundheit.
  • Simpleclub bezeichnet sich selbst als “Die beliebteste Lernapp für die Schule.”. Laut eigener Pressemitteilung des Unternehmens, will man sich nun daran machen, das “überlastete Berufsschulsystem” zu entlasten. heise.de berichtet, dass Simpleclub bereits Inhalte für “22 anerkannte Ausbildungsberufe” anbietet. Natürlich darf auch die momentan obligatorische KI-Komponente nicht fehlen.
  • Social-Engineering ist eine Hacking-Methode, die die größte Schwachstelle in Sicherheitssystemen ausnutzt, nämlich den Menschen. In einem spektakulären Fall wurde in den USA die Hotelkette MGM, die auch Casinos betreibt, Opfer eines solchen Angriffs. Eine detaillierte Schilderung des Vorgehens findet sich auf der Seite specopssoft.com
  • Der Marktwert von NFTs, also der digitalen Krypto-Repräsentierung eines Kunstwerks, liegt laut einer aktuellen Studie bei 0, wie heise.de berichtet. Man kann wohl Bill Gates nur zustimmen, der NFTs als “Deppenmarkt” bezeichnete. Diesen Hype können wir also getrost zu den Akten legen…
  • Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Acts (DMA) der EU sind Betreiber von Plattformen mit mehr als 45 Millionen Nutzern die “eine starke wirtschaftliche Position mit erheblichen Auswirkungen auf den Binnenmarkt inneha[ben] und in mehreren EU-Ländern aktiv [sind]” (commission.europa.eu).
    Die EU-Kommission hat nun sechs solcher Gatekeeper benannt: Google-Konzern Alphabet, Amazon, Apple, Microsoft, Meta (ehemals Facebook) und Bytedance (Tiktok) wie faz.de berichtet. Die betroffenen Unternehmen müssen nun unter anderem dafür sorgen, dass ihre Plattformen “interoperabel” werden, also für Drittanbieter geöffnet werden.
Fortbildungstermine
Fortbildungstipps

Mal wieder etwas Eigenwerbung für zwei Veranstaltungen, bei denen ich als Referent aktiv bin:

Das Ende der Kreidezeit
Das Ende der Kreidezeit
  • Klingeltöne können nerven, aber auch schön sein, vor allem, wenn Sie so gekonnt in ein Piano-Instrumentalstück umgewandelt werden, wie bei Tony Ann - youtube.com, der den Standard-Klingelton des iPhones zu einer Ballade erweitert hat.
Neues Layout des E-Commerce-Newsletters
Newsletter online abonnieren

Ein wichtiger Hinweis in eigener Sache: Der E-Commerce-Newsletter kann direkt über die Webseite https://newsletter.fitforecommerce.eu abonniert oder abbestellt werden. Dort finden Sie auch alte Ausgaben des Newsletters. Empfehlen Sie den Newsletter doch weiter an Ihre KollegInnen!

 
Built with Pascal Template from Email Love