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30 March 2023
ecommerce newsletter 03/2023

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

ja, auch wenn Sie es nicht mehr hören können: das Thema ChatGPT muss einfach noch einmal sein.

Mich persönlich beunruhigt die Entwicklung. Ganz besonders vor dem Hintergrund von Meldungen wie “KI wie ChatGPT könnte 300 Millionen Arbeitsplätze beeinträchtigen – einige sind besonders gefährdet” bei t3n.de. Selbst wenn wir von der Überschrift 50% Click-Bait-Hype-Aufregungspotential abziehen, bleibt meine Befürchtung, dass gerade die Berufe in der kaufmännischen dualen (aber auch universitären) Ausbildung stark betroffen sein werden. Dies deutet sich durch die im genannten Artikel erwähnte Studie von Business Insider an, die insbesondere Arbeitsplätze mit “administrativen und juristischen Funktionen” als besonders gefährdet einstuft.

Daneben ist ChatGPT ein Geschäftsmodell, das die geistige Arbeit von vielen kreativen Menschen in Form von eingelesenen Daten nutzt ohne daraus generierten wirtschaftlichen Nutzen an diese Kreativen weiterzugeben. Die Interessen der Urheber werde dabei ausgehebelt. Dazu empfehle ich Ihnen den Artikel “KI-Generatoren und die Disruption des Urheberrechts – Analyse eines IT-Juristen” bei heise.de.

Sehr interessant ist vor diesem Hintergrund der Standpunkt von Ted Chiang, einem US-amerikanischen Science-Fiction-Autor, der kürzlich in einem Podcast bei der New York Times (Transrkipt EN) geäußert hat, dass die “meisten Ängste vor künstlicher Intelligenz, Ängste vor dem Kapitalismus” sind. Weiter führt er dort aus: “Es ist der Kapitalismus, der Kosten reduzieren will und das durch die Entlassung von Menschen.”

Dementsprechend denke ich, müssen gesetzliche Rahmen her, die eine rein kapitalistisch-profitorientierte Nutzung unter Missachtung von Datenschutz und Interessen der Urheber zumindest erschweren. Die gute Nachricht ist, dass die EU hier bereits mit dem AI Act zumindest im Hinblick auf die Grundrechte der BürgerInnen auf einem guten Weg ist. Einen interessanten Kommentar mit dem Titel “Der AI Act schwächt den Mittelstand nicht, er fördert ihn!” finden Sie bei heise.de.

Profile Image Herzliche Grüße,
Ihr Martin Kolb
ChatGPT Spezial

Bild: depositphoto.com

ChatGPT Spezial

Einige weitere interessante Artikel rund um ChatGPT und KI:

  • Meta und Google wurden offensichtlich von der Microsoft-OpenAI-Attacke überrascht. So strukturiert Meta um und setzt nun verstärkt auf KI zeit.de. Das gehypte Metaverse tritt in den Hintergrund. Google wiederum versucht mit der hauseigenen KI Bard auf den fahrenden Zug aufzuspringen und so die eigene Haut im Suchmaschinengeschäft zu retten (siehe dazu auch die Ausgabe 10/2022 dieses Newsletters. Eine interessante FAQ zu Bard findet sich bei t3n.de.
  • Einen hervorragenden Artikel zu ChatGPT und den sogenannten Large Language Models (LLMs) findet man bei Stephen Wolfram der (auf Englisch) sehr anschaulich die Funktionsweise dieser Technologie erläutert.
  • Silicon-Valley-Größen wie Elon Musk und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak fordern gemeinsam mit 1125 anderen Unterzeichnern eine 6-monatige Zwangspause für GPT-4, um besser die Risiken für die Menschheit einschätzen zu können. Den Brief finden Sie bei futureoflife.org ENeinen zusammenfassenden Artikel bei heise.de
  • Glauben Sie, dass die Qualität des Internets durch ChatGPT besser wird? Wahrscheinlich sieht die Realität leider nicht so aus, wie Kristina Beer bei heise.de ausführt. Auch der oben erwähnte Ted Chiang schreibt beim newyorker ähnliches. Johan Lajili ist pessimistisch gestimmt, weil er glaubt, dass eine Mischung aus KI-generierten, SEO-orientierten (Werbe)Texten, der “Sargnagel” für die inhaltliche Qualität des Webs sein werden. lajili.com EN
  • Spielen Sie mit dem Gedanken, ChatGPT für Ihre Schulaufgaben einzusetzen? Den interessanten Erfahrungsbericht “ChatGPT: So gut lügt die KI” finden sie bei heise.de
  • Blick in den Rückspiegel Treten Sie eine Zeitreise an und lesen Sie die Ausgabe 11/2019 dieses Newsletters zum Schwerpunkt-Thema KI
Lehren von zuhause

Bild: Martin Kolb

Materialien für den Unterricht
  • Wirtschaft 4.0 Der Arbeitskreis “Wirtschaft 4.0 für kaufmännisch-verwaltende Berufe” hat im ersten Quartal im Rahmen von vier regionalen Workshops die erstellten Handreichungen und Mebiskurse zahlreichen Lehrkräften näher gebracht. Dazu einige Links:
  • Kürzere Aufmerksamkeit - Papier besser als Smartphone: In einer Meta-Studie am E-Learning-Innovationszentrums an der Universitat Oberta de Catalunya haben Forscher 111 Quellen zur Aufmerksamkeit beim Medienumgang ausgewertet. Fazit: Lesen auf Papier fördert die Aufmerksamkeit, während digitale Medien diese tendenziell eher verschlechtern. Das sollte uns Lehrkräften im Bereich Digitalisierung zu denken geben. Weiteres Ergebnis der Studie: ein Drittel der Jugendlichen will InfluencerIn werden. Bericht bei heise.de
  • BSI befindet viele Onlineshop-Systeme für unsicher: Die Studie beklagt Sicherheitsmängel in der Software zahlreicher Shopsysteme. Insbesondere potentielle Daten-Leaks, schlechte Passwortrichtlinien und verwundbare Javascript-Bibliotheken werden bemängelt. In jüngerer Vergangenheit habe das bereits zu zahlreichen Vorfällen geführt. bsi.de
  • Die Heranführung an WebAnalytics ist im Unterricht schwierig zu bewerkstelligen. In einem Blog-Post [EN] werden hier mehr als 10 Google Analytics Alternativen verglichen. Dabei stehen natürlich auch der Datenschutz und On-Site vs. Off-Site-Tools im Fokus.
  • OpenTalk - sichere Videokonferenzen Auch wenn es sich angesichts der beendeten Pandemie schon fast als Retro anfühlt: mit OpenTalk gibt es jetzt eine weitere Videokonferenzsoftware. Sicherheit und Datenschutz stehen dabei an oberster Stelle. Die Software ist jetzt auch quelloffen. Der Code kann auf der Plattform opencode.de eingesehen werden. Diese Plattform an sich ist auch einen genaueren Blick wert und soll unter anderem die “die vollständige elektronische, medienbruchfreie und interoperable Abbildung des Gesetzgebungsverfahrens des Bundes” ermöglichen.
Titelbild Screenshot Jamando
Blick ins Netz
  • Die E-Mail als Auslaufmodell? Von wegen: “Berufliche Mail-Postfächer werden immer voller” ist ein Fazit aus einer Studie des Branchenverbands Bitkom. Durchschnittlich 42 Mails pro Tag gehen in beruflichen Postfächern ein, nur 5 Prozent der Berufstätigen erhalten weniger als 10 E-Mails am Tag.
  • Soziale Medien und Regierungsbehörden sind ein echtes Spannungsfeld. Die EU-Kommission sprach aus Sicherheitsgründen ein TikTok-Verbot für dienstliche Mobilgeräte [heise.de] aus. Und der Bundesdatenschutzbeauftragte forderte das Bundespresseamt auf, die Facebook-Fanpage der Bundesregierung innerhalb von vier Wochen abzuschalten - die sich wiederum weigert, das zu tun [datenschutz-praxis.de].
  • Beschnittene Screenshots von Pixel Smartphones lassen sich wiederherstellen schreibt googlewatchblog.de. Ein Bug macht es möglich, beschnittene Bereich von Screenshots von Pixel Smartphones wiederherzustellen. Ein echtes Problem, wenn man so unbeabsichtigt private Daten weitergegeben hat.
  • Öffentlich-rechtliches Social-Media? Das ZDF gab bekannt in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit internationalen Partner an online-basierten Lösungen zu arbeiten, um “bürgerliches Engagement und den demokratischen Diskurs im digitalen Raum abseits von Hasskommentaren und zunehmender Desinformation zu ermöglichen.” Dieses Vorhaben wird auch als öffentlich-rechtliche Twitter-Alternative angepriesen. presseportal.de
  • Amazon darf MitarbeiterInnen überwachen In einem umstrittenen Urteil hat ein Verwaltungsgericht die “aktuelle und minutengenaue” Überwachung der Arbeitsgeschwindigkeit von MitarbeiterInnen durch Amazon für rechtens erklärt. heise.de
Fortbildungstermine
Fortbildungstipps

Zwei Veranstaltungen, die ich als Referent gestalten darf:

Das Ende der Kreidezeit
Das Ende der Kreidezeit
  • Was ist das Gegenteil von Digitalisierung? Ich würde sagen, diese Papiermodelle von Retro-Computern hergestellt von Rocky Bergen wäre ein gutes Beispiel dafür. Das tolle: Sie können die Faltpläne direkt zum Ausdrucken herunterladen und selbst basteln!
  • Der amerikanische Blogger John Gruber hat sich letzten Oktober zweifelnd gegenüber Vocal-Deepfakes geäußert, also der Möglichkeit die Stimmen natürlicher Personen künstlich nachzubilden. Er erklärte, dass er erst daran glauben würde, wenn jemand Steve Jobs per KI so imitieren kann, dass dieser vom Lesen seiner Seite abrät. Nun wurde er eines besseren belehrt, wie er auf seinem Blog darinfireball.net zugibt. Dort finden sich die entsprechenden Sounddateien - spaßig gemeint, aber mit politischer Sprengkraft!
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